Die Tage wurden kürzer, die Temperaturen kühler, die Wälder erst bunt und bald liegen sie unter einer feinen weissen Schneehaube – die Winterzeit naht. Also hat man nun auch wieder Zeit mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen.
Teelichter angezündet und leckeren Tee aufgebrüht – und eine passende Buchempfehlung für lauschige Abende haben wir auch für euch parat. Natürlich dreht sich auch hier alles – und zwar ums Radfahren 😉
„Ich denke, das Fahrrad hat mehr zur Emanzipation der Frauen beigetragen als alles andere in der Welt. Es verleiht einer Frau das Gefühl von Freiheit und Selbstvertrauen. In dem Augenblick, in dem sie in den Sattel steigt, weiß sie, dass es ihr gut geht, zumindest so lange, bis sie wieder absteigt.“
Susan B. Anthony, 1896 – Eine der führenden SufragettenDieses wunderschöne Zitat ist dem neuen Buch „Solang die Welt noch schläft“ von Petra Durst-Benning vorangestellt.
Der Roman, der Kategorie Historienroman durchaus zugehörig, zeigt sehr anschaulich die Anfänge des Radfahrens, vor allem die des Frauen-Radsports.
Jo, mit vollem Namen Josephine, ist eine Berliner Hufschmiedetochter, die zu Anfang der 1890er Jahre bei einem Kuraufenthalt im Schwarzwald das erste Mal mit einem Fahrrad in Berührung kommt, einem Veloziped, wie man es damals nannte. Nach ersten Fahrversuchen steht für Jo fest: Radfahren bedeutet Freiheit.
Zurück in Berlin steckt sie ihre beiden Freundinnen mit ihrer Radbegeisterung an.
Was für uns heute selbstverständlich ist, das musste damals Schritt für Schritt hart erkämpft werden. Die wenigsten Frauen konnten sich die damals sehr teuren Räder leisten. Radhosen für Frauen – daran war nicht zu denken, die Frauen mussten die Stoff-Fülle ihrer Kleider sorgsam davor schützen, in die Speichen zu kommen und damit Stürze zu verursachen. Radfahrende Frauen galten als unsittlich, deshalb wurden sie oft von Passanten mit Steinen beworfen. Was tun?
Jo beschließt, in aller Frühe ihre Radrunden zu drehen – „solang die Welt noch schläft“, verkleidet sich als Mann und borgt sich ungefragt das Rad des Vaters ihrer Freundin für ihre Ausfahrten durch Berlin.
Ein schwerer Herbststurm, ein Ast, der kurz vor dem Rad auf die Straße fällt, ein schwerer Sturz, Polizei – das alles führt nach einer Anzeige wegen Raddiebstahls zu einer Verurteilung zu zwei Jahren Frauengefängnis.
Dort beginnt die Geschichte, die in Rückblenden erzählt wird und auch spannend weitergeht nach Josephines Entlassung.
Ein Roman über junge Frauen, Freundinnen, die für und um ihren Traum kämpfen.
Mutige Frauen im Berlin um 1890. Abenteuer und große Gefühle in einer Zeit und Gesellschaft, in der Männer das Sagen hatten und bestimmten über die Zukunft der Frauen. Frauen traten die Pedale der Nähmaschine – nicht des Fahrrades!
Gegen Konventionen, Standesdünkel und Vorurteile.
Ein Buch mit Suchtcharakter und – wie schön – zwei weitere Bände sollen folgen 🙂
496 Seiten, gebunden
Verlag: List Hardcover (9. März 2012)
ISBN-10: 3471350578
ISBN-13: 978-3471350577